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Christian Morgenstern – Ausstellung zum 150. Geburtstag in der Turmgalerie Bismarckhöhe

Die Turmgalerie Bismarckhöhe lädt zum Besuch ihrer 59. Ausstellung  „Morgenstern-mein Morgenstern“ ein, die den 150. Geburtstag des Dichters zu ihrem Anlass nimmt. Die Ausstellung wird von Dr. Andreas Hüneke, dem 2. Vorsitzenden der Christian-Morgenstern-Gesellschaft, kuratiert. Dr. Hüneke ist deutscher Kunsthistoriker und Provenienzforscher, Gründer und Vorsitzender des Potsdamer Kunstvereins und langjähriger ehrenamtlicher Vizepräsident des Internationalen Kunstkritikerverbands AICA.

In der Ausstellung werden Landschaftsskizzen des Landschaftsmalers und Vaters des Dichters Carl Ernst Morgenstern (1847-1928) gezeigt. Erstmals wird auch Christian Morgensterns (1871-1914) eigener bildnerischer Nachlass (Skizzen, Collagen, Klecksographien, Photogramme) präsentiert. Außerdem wird Ch.Morgensterns Zollstockspiel von Fritz Beblo (1872-1947), eines seiner engsten Freunde, ausgestellt. Dazu stehen als gegenwärtige Position farbige Grafiken des zeitgenössischen Illustrators Hans Ticha (geb. 1940).

Carl Ernst Morgenstern war ein Landschaftsmaler. Von 1883 bis 1913 war er als Professor  an der Kunstgewerbeschule in Breslau tätig, wo er – unter dem Eindruck der Schule von Barbizon – die Freilichtmalerei in den Lehrstoff einführte. Sein Sohn, der Dichter Christian Morgenstern, wurde am 6. Mai 1871 geboren. Die Mutter Charlotte Morgenstern (geb. Schertel) starb  an Tuberkulose, als Christian erst 10 Jahre alt war. Die Jahre nach dem Tod der Mutter waren für Christian Morgenstern sehr schwer. Der Vater schickte ihn zu seinem Paten, einem Kunsthändler, wo er sich unglücklich fühlte. Danach kam er in ein Internat. Hier sah er sich körperlicher Züchtigung ausgesetzt, und er wurde von seinen Mitschülern gehänselt. 

Zwischen 1885 und 1889 besuchte Christian das Gymnasium in Breslau, wo er seine ersten dichterische Versuche machte. Er lernte Friedrich Kayssler, den zukünftigen Schauspieler, und Fritz Beblo, der Architekt, Stadtplaner und Maler wurde, kennen. Daraus entwickelten sich lebenslange enge Freundschaften. Die drei gründeten ein Kabarett und – bei einem Besuch der Baumblüte in Werder - den Stammtisch „Der Galgenberg“. Als einer der Galgenbrüder erhielt Beblo von Morgenstern den Beinamen Stummer Hannes, Kayssler hieß „Gurgeljochen“ und Christian Morgenstern – „Rabenaas“. Hans Beblo illustrierte später  die Gedichtesammlung „Klaus Burrmann der Tierweltphotograph“ von Christian Morgenstern.

 

Zum 100. Todestag des Dichters im März 2014 wurde das Christian-Morgenstern-Literatur-Museum auf dem früheren Galgenberg, der heutigen Bismarckhöhe in Werder (Havel) eröffnet. Besonders in seinen „Galgenliedern“ entfaltet Morgenstern seinen liebenswürdigen, scharfsinnigen Sprachwitz, dessen Sinnentschlüsselung oft „eines zweiten und dritten Blicks“ (Anthony T. Wilson) bedarf. Christian Morgenstern hat seinen Galgenliedern selbst das Motto gegeben: “Lass die Moleküle rasen, was sie auch zusammenknobeln! Lass das Tüfteln, lass das Hobeln, heilig halte die Ekstasen!“. 1909 lernte er Rudolf Steiner und die Anthroposophie kennen, die seine späteren Gedichte prägen sollte.

 

Der Maler, Grafiker und Buchillustrator Hans Ticha wurde 1940 in Tetschen – Bodenbach geboren. Nach Lageraufenthalt und Zwangsarbeiten in den Jahren 1945-46 wurde er mit seiner Mutter und seiner Schwester aus der Tschechoslowakei vertrieben. Von 1958 bis 1962 studierte er Kunsterziehung und Geschichte an der Karl-Max-Universität Leipzig, arbeitete als Lehrer in Lindenthal, und studierte anschließend an der Hochschule für bildende und angewandte Kunst Berlin-Weißensee. Nach seinem Studienabschluss war er von 1970 bis 1990 als freischaffender Maler und Buchillustrator tätig. Ticha arbeitete für fast alle maßgeblichen Verlage der DDR (Mitteldeutscher Verlag, Verlag Junge Welt, Verlag der Nation, Aufbau Verlag, Kinderbuchverlag Berlin u.v.a) und war durch Ausgaben der Büchergilde Guttenberg auch im Westen vertreten. Insgesamt gestaltete er mehr als 90 Bücher. Nach der Wende zog er 1990 nach Mainz und 1993 nach Hochstadt bei Hanau. Zu seinen Vorbildern gehören Fernand Léger, die Maler des Bauhauses wie Oskar Schlemmer und Willi Baumeister, sowie der russische Konstruktivismus. Er wird als „einziger Pop-Art Künstler der DDR“ bezeichnet. In Auseinandersetzung mit den Stilmitteln der Pop-Art innerhalb der sozialistischen Gesellschaft und ihrer Propaganda-Bilder veränderte er den revolutionären Begriff „Agit-Prop“ (Agitation und Propaganda) zu „Agit-Pop“.

 

Die Corona-bedingten allgemeinen Einschränkungen des Museumsbetriebs erfordern spezielle Regelungen zur Durchführung der Ausstellungen. So lange die Einschränkungen bestehen, wird den Besuchern ermöglicht, die Ausstellungen online auf der Webseite des Freundeskreises Bismarckhöhe zu besichtigen. Sobald geöffnet werden darf, gelten die normalen Öffnungszeiten.

 

Dann wird die Turmgalerie bis November jeweils am 1.,3. und 5. Sonntag eines Monats von 14:00-17:00/18.00 Uhr geöffnet sein. Zusätzliche Öffnungstage sind die gesetzlichen Feiertage. Weitere Termine sind zu finden auf der Website https://www.bismarckhoehe-in-werder.de. Anmeldung zu Führungen unter 03327-663170 oder

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Veröffentlichung

So, 02. Mai 2021

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