(03327) 66 317-0
Als Favorit hinzufügen   Link verschicken   Drucken
 

Eine gelungene Veranstaltung! „Ein Liedchen singt dir jeder Tag“ am 12. April 2019 im Christian-Morgenstern-Museum

07.05.2019

Also lautet ein Beschluss, dass der Mensch was lernen muss!

 

Wussten Sie zum Bleistift, dass sich der – nein, das – Fagott auch als Soloinstrument durchaus hören lassen kann? Sehen Sie, wieder was gelernt!
Insbesondere die Besucher der Veranstaltung „Ein Liedchen singt dir jeder Tag“ am 12. April 2019 im Christian-Morgenstern-Museum haben das lernen können, weil dort nämlich Shirley Schramm mit ihrem Fagott auftrat und den Schauspieler und Wilhelm-Busch-Interpreten Hans-Jochen Röhrig musikalisch begleitete.
Was haben aber das Fagott und Wilhelm Busch mit Christian Morgenstern zu tun und wo ist die Verbindung zu sehen?
Nun, zum einen kann Morgenstern durchaus als gläubiger Mensch bezeichnet werden (kleines Wortspiel Fagott – Gott), zum anderen war Wilhelm Busch nicht nur ebenfalls ein Mensch mit humoristischer Ader, sondern auch ein Zeitgenosse von Morgenstern. Und insbesondere, wenn wir uns sein Gedicht vom Vogel, der, am Leime festgeklebt und den sicheren Tod in Gestalt der heranschleichenden Katze vor Augen, noch ein Liedchen tiriliert, in Erinnerung rufen, haben wir schon eine Verbindung zu Morgensterns Galgenliedern hergestellt.
Hans-Jochen Röhrig, Rezitator und vor allem Schauspieler, hat ein beeindruckendes Wilhelm-Busch-Programm zusammengestellt, das er mit spürbar großer Freude und auch zur Freude des Publikums vortrug. Nicht nur so bekannte Busch-Gedichte wie das vom oben bereits erwähnten Vöglein, sondern auch – zumindest mir, der ich kein ausgewiesener Busch-Kenner bin – unbekannte Werke kamen zur Aufführung.
Ja, Aufführung! Zwar wurde hier auf szenische Darstellung verzichtet, aber die Mimik und Artikulation des Akteurs ersetzten diese vollständig. Als Beispiel sei die Unterhaltung verschiedener Pflanzen anlässlich des „Ersprießungstages“ der Frau Rose („Am Vorabend von Rosens Geburtstag“) genannt; hier gab Herr Röhrig jeder am Gespräch beteiligten Pflanze ihren eigenen Charakter.
Und nicht nur Gedichte von Wilhelm Busch, sondern auch Prosa wie z.B. „Eduards Traum“ und Autobiographisches („Von mir über mich“) trug er vor und schloss damit sicherlich so manche Wissenslücke beim staunenden Publikum. Denn während die Verse Wilhelm Buschs durchaus als zumindest in den Grundzügen allgemein bekanntes Kulturgut angesehen werden können, ist sicherlich weniger bekannt, dass er auch längere Prosatexte geschrieben hat.
Es war somit ein äußerst erheiternder und den geistigen Horizont erweiternder Abend auf dem Galgenberg, der mir sehr viel Vergnügen bereitet hat und den Anstoß gab, sich intensiver mit seinem Werk zu beschäftigen. Was will man mehr?
Gernot Gerlach